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Offener Brief zum HaK PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, 05. Juli 2008 um 09:17 Uhr

Offener Brief der Jusos zur Lage des Hotels am Kalkberg


Sehr geehrte Damen und Herren
Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter,
am    .         sind Sie in die Lage versetzt, über die Zukunft des
Jugendkulturzentrums Hotel am Kalkberg zu entscheiden. Leider
haben wir Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (Jusos) im Kreis
Segeberg zur Kenntnis nehmen müssen, dass es seitens der
christdemokratischen Fraktion in der Stadtvertretung Bestrebungen
gibt, das HaK zu schließen. Diese Nachricht verwunderte und
verunsicherte uns sehr.
Das HaK kann auf eine langjährige Geschichte zurückblicken. In den
sieben Jahren HaK in Bad Segeberg haben die Jugendlichen und
jungen Erwachsenen, die im und für das HaK ihre Freizeit mit Hingabe
aufopfern, die Jugendkultur in unserer Stadt maßgeblich geprägt und
über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinaus bekannt gemacht. Das
Hotel am Kalkberg ist mehr als eine ehemalige Gastronomie in der
Lübecker Straße am Fuße des Kalkbergs.
Das HaK bedeutet eine kulturelle Bewegung,
das HaK bedeutet selbst verwaltete Jugendstruktur,
das HaK bedeutet basisdemokratische Partizipation an unserer
Gesellschaft,
das HaK bedeutet, Jugendlichen einen Ort zu geben, an dem sie sich
entfalten können und in Interaktion mit anderen Verantwortung
tragen lernen,
das HaK bedeutet, den jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern das
Bewusstsein zu geben, dass sie gehört und ernst genommen werden.
Einige von Ihnen waren sogar in den Jahren vor der offiziellen
Eröffnung selbst dabei, als es galt, das Gebäude für die Bedürfnisse
herzurichten und den HaK'lern eine Identität zu schaffen.
Wo gehobelt wird, fallen Späne. Dies gilt nicht nur für den Aufbau,
sondern auch für den Betrieb des HaK. Die Jugendlichen waren immer
darum bemüht, ihresgleichen die Möglichkeit zu geben, sich vielfältig
zu engagieren und auch einfach miteinander Spaß zu haben, nicht
zuletzt durch Partys, die ausschließlich selbst organisiert wurden. Dass
bei Veranstaltungen im HaK immer großen Wert auf einen
wohlwollenden Einklang mit der Nachbarschaft gelegt wurde,

verhinderte natürlich nicht, dass es bei Veranstaltungen laut wurde
und wird. Bei allem Respekt vor den Anwohnern der Lübecker Straße
ist es dennoch nicht nachvollziehbar, dass eine geringe Zahl von
Anwohnern leider mehr Gehör in der Stadtpolitik gefunden hat als
hunderte Jugendliche und so die Anzahl der erlaubten
Großveranstaltungen minimiert wurde.
Man musste sich jedoch mit den neuen Vorgaben abfinden, auch,
wenn damals bereits sehr deutlich und mehrmals signalisiert wurde,
dass 1  Großveranstaltungen pro Jahr nicht zur Aufrechterhaltung des
Betriebs ausreichen werden. Dass bis auf weiteres seit Mai alle
Großveranstaltungen verboten sind, verschärft die Situation nochmals
immens. Die freitags stattfindenden Café-Abende reichen in keiner
Weise aus, die laufenden Kosten begleichen zu können.
Überaus grotesk wirkt es, dass politisch nun fortwährend
argumentiert wird, dass seitens der Politik nicht gewollt ist, dass das
HaK am Tropf der Stadt hängt. Die CDU beklagte erst kürzlich, dass
bereits      € für das HaK in den letzten Monaten aufgewendet
wurden, welche besser einzusetzen gewesen wären. Dies wären sie
tatsächlich. So hätte die Stadtvertretung, der der bauliche Zustand des
Gebäudes unlängst bekannt ist, auch eigeninitiativ als Vermieter des
Gebäudes aktiv werden können. Eine geeignete Schalldämmung oder
andere, denkbare Investitionen hätten beispielsweise zur
Entspannung des Lärmkonflikts mit den wenigen, sich beschwerenden
Anwohnern geführt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
es darf nicht unausgesprochen bleiben, dass die Problematik ums HaK
(und somit auch die finanzielle Belastung der Stadt) hausgemacht ist.
Hätte die Stadtvertretung zu seiner Zeit die erlaubte Gesamtzahl der
Veranstaltungen wenigstens auf die (als absolut notwendig)
eingebrachten 1? gesenkt, gäbe es kein Finanzierungsproblem. Auch
die Lärmbelästigung nach Veranstaltungsende kommt nicht von
ungefähr. Durch die im Vergleich zu früheren Jahren wesentlich
höhere Frequentierung der deutlich weniger gewordenen
Veranstaltungen, einhergehend mit der Verkürzung der Öffnungszeit
auf ein Uhr nachts bedarf nur einer einfachen Logik, um zu verstehen,
warum die Lärmbelästigung der gehenden Gäste ein Problem
darstellt. Mit anderen Worten: Wenn mal eine der nur 1
Großveranstaltungen im HaK stattfindet, nehmen natürlich mehr
Menschen die Möglichkeit wahr, am Abend das HaK zu besuchen, weil
es der einzige im Monat ist. Und dass man dann auch gerne etwas
länger feiern möchte als bis ein Uhr, sollte auch nicht verwundern.
Hervorzuheben ist auch, dass die Organisatoren der Feiern –
löblicherweise - sehr genau auf die Einhaltung der Öffnungszeiten
achten, was bei manchen Besuchern den Unmut über das frühe Party-
Ende zum Teil noch vergrößert. Was diese dann aber auf dem
Heimweg tun oder lassen, steht nicht in der Macht des HaK's.
Auf Grund dieser Voraussetzungen sind einige Aktive des sehr
frustriert. Es wird ihnen nicht mehr ermöglicht, sich in dem Maße wie
zuvor zu engagieren. Doch statt zu resignieren, gaben sie sich mit dem
zufrieden, was sie noch für sich behalten konnten. Nicht zuletzt die
Demonstration am 1 . Januar hat gezeigt, dass diese Menschen für ihr
Jugendkulturzentrum kämpfen – es liegt ihnen am Herzen

 
Auch die Jugendlichen und jungen Menschen im HaK gehören zu Bad
Segeberg, sie sind Teil der Stadt und prägen sie täglich.
Eine Jugend, die sich ehrenamtlich engagiert,
eine Jugend, die sich politisch betätigt,
eine Jugend, die aktiv im Kampf gegen rechtsextreme Gesinnungen
vorgeht,
eine Jugend, die vielen Bad Segeberger Kindern Weihnachtsgeschenke
ermöglicht hat (welche sie sonst nicht bekommen hätten),
eine Jugend, die sich nicht mit den gesellschaftlichen Zwängen
zufrieden gibt,
eine Jugend, die vielen ein zweites zu Hause gibt.
Für all dies steht das HaK.
Sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter,
durchaus argumentierbar ist die Kritik an der Ansässigkeit der Freien
Arbeiterinnen- und Arbeiterunion im HaK. Zu begründen, dass es nicht
gewollt ist, organisierte politische Gruppierungen im HaK zu
beherbergen, da es für alle demokratischen Gruppierungen offen
stehen soll und will, ist angebracht. Jedoch die Existenzberechtigung
einer politischen Organisation anzuzweifeln, die sich auf
basisdemokratische Grundrechte beruft, ist äußerst fragwürdig. Man
muss nicht mit allen politischen Strömungen d'accord sein, das
bedeutet jedoch nicht, das Recht zu haben, sie auf anderem Wege als
dem der Rechtssprechung verhindern zu können.
Nicht zuletzt hat die FAU, die sich seit ihrer Gründung als pazifistisch
versteht, sich dazu entschieden, ihre Geschäftsanschrift im HaK
aufzulösen – eine weitsichtige Entscheidung.
Eine wichtige Anmerkung hierzu in selbstkritischer Reflexion:
Wir als etablierte Parteien unserer Gesellschaft sollten uns lieber
darüber Gedanken machen, warum die jungen Menschen sich durch
die FAU eher vertreten sehen als durch unser politisches Handeln, als
uns damit zu beschäftigen, unsere demokratische Grundordnung, hier
ins besondere die Meinungsfreiheit, in Frage zu stellen.
Überspitzt formuliert sollte man dann besser froh sein, dass die
jungen Leute politisch mit der FAU für gerechte Arbeitsverhältnisse
streiten als nach französischem Vorbild Autos anzünden.
Wir bitten Sie, tragen Sie Sorge für den Erhalt des Hotels am Kalkberg
und einer ganzen Jugendkultur in unserer Stadt. Zeigen Sie den jungen
Menschen, dass sie gehört werden. Leisten Sie ihren Teil zur Förderung
politisch interessierter und aktiver Jugend.
Mit freundlichen Grüßen,
Alexander Wagner
Für die Jusos
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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. Januar 2009 um 21:59 Uhr
 

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