Offener Brief der Jusos zur Lage des Hotels am Kalkberg
Sehr geehrte Damen und Herren Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, am . sind Sie in die Lage versetzt, über die Zukunft des Jugendkulturzentrums Hotel am Kalkberg zu entscheiden. Leider haben wir Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (Jusos) im Kreis Segeberg zur Kenntnis nehmen müssen, dass es seitens der christdemokratischen Fraktion in der Stadtvertretung Bestrebungen gibt, das HaK zu schließen. Diese Nachricht verwunderte und verunsicherte uns sehr. Das HaK kann auf eine langjährige Geschichte zurückblicken. In den sieben Jahren HaK in Bad Segeberg haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die im und für das HaK ihre Freizeit mit Hingabe aufopfern, die Jugendkultur in unserer Stadt maßgeblich geprägt und über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinaus bekannt gemacht. Das Hotel am Kalkberg ist mehr als eine ehemalige Gastronomie in der Lübecker Straße am Fuße des Kalkbergs. Das HaK bedeutet eine kulturelle Bewegung, das HaK bedeutet selbst verwaltete Jugendstruktur, das HaK bedeutet basisdemokratische Partizipation an unserer Gesellschaft, das HaK bedeutet, Jugendlichen einen Ort zu geben, an dem sie sich entfalten können und in Interaktion mit anderen Verantwortung tragen lernen, das HaK bedeutet, den jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern das Bewusstsein zu geben, dass sie gehört und ernst genommen werden. Einige von Ihnen waren sogar in den Jahren vor der offiziellen Eröffnung selbst dabei, als es galt, das Gebäude für die Bedürfnisse herzurichten und den HaK'lern eine Identität zu schaffen. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Dies gilt nicht nur für den Aufbau, sondern auch für den Betrieb des HaK. Die Jugendlichen waren immer darum bemüht, ihresgleichen die Möglichkeit zu geben, sich vielfältig zu engagieren und auch einfach miteinander Spaß zu haben, nicht zuletzt durch Partys, die ausschließlich selbst organisiert wurden. Dass bei Veranstaltungen im HaK immer großen Wert auf einen wohlwollenden Einklang mit der Nachbarschaft gelegt wurde, verhinderte natürlich nicht, dass es bei Veranstaltungen laut wurde und wird. Bei allem Respekt vor den Anwohnern der Lübecker Straße ist es dennoch nicht nachvollziehbar, dass eine geringe Zahl von Anwohnern leider mehr Gehör in der Stadtpolitik gefunden hat als hunderte Jugendliche und so die Anzahl der erlaubten Großveranstaltungen minimiert wurde. Man musste sich jedoch mit den neuen Vorgaben abfinden, auch, wenn damals bereits sehr deutlich und mehrmals signalisiert wurde, dass 1 Großveranstaltungen pro Jahr nicht zur Aufrechterhaltung des Betriebs ausreichen werden. Dass bis auf weiteres seit Mai alle Großveranstaltungen verboten sind, verschärft die Situation nochmals immens. Die freitags stattfindenden Café-Abende reichen in keiner Weise aus, die laufenden Kosten begleichen zu können. Überaus grotesk wirkt es, dass politisch nun fortwährend argumentiert wird, dass seitens der Politik nicht gewollt ist, dass das HaK am Tropf der Stadt hängt. Die CDU beklagte erst kürzlich, dass bereits € für das HaK in den letzten Monaten aufgewendet wurden, welche besser einzusetzen gewesen wären. Dies wären sie tatsächlich. So hätte die Stadtvertretung, der der bauliche Zustand des Gebäudes unlängst bekannt ist, auch eigeninitiativ als Vermieter des Gebäudes aktiv werden können. Eine geeignete Schalldämmung oder andere, denkbare Investitionen hätten beispielsweise zur Entspannung des Lärmkonflikts mit den wenigen, sich beschwerenden Anwohnern geführt. Sehr geehrte Damen und Herren, es darf nicht unausgesprochen bleiben, dass die Problematik ums HaK (und somit auch die finanzielle Belastung der Stadt) hausgemacht ist. Hätte die Stadtvertretung zu seiner Zeit die erlaubte Gesamtzahl der Veranstaltungen wenigstens auf die (als absolut notwendig) eingebrachten 1? gesenkt, gäbe es kein Finanzierungsproblem. Auch die Lärmbelästigung nach Veranstaltungsende kommt nicht von ungefähr. Durch die im Vergleich zu früheren Jahren wesentlich höhere Frequentierung der deutlich weniger gewordenen Veranstaltungen, einhergehend mit der Verkürzung der Öffnungszeit auf ein Uhr nachts bedarf nur einer einfachen Logik, um zu verstehen, warum die Lärmbelästigung der gehenden Gäste ein Problem darstellt. Mit anderen Worten: Wenn mal eine der nur 1 Großveranstaltungen im HaK stattfindet, nehmen natürlich mehr Menschen die Möglichkeit wahr, am Abend das HaK zu besuchen, weil es der einzige im Monat ist. Und dass man dann auch gerne etwas länger feiern möchte als bis ein Uhr, sollte auch nicht verwundern. Hervorzuheben ist auch, dass die Organisatoren der Feiern – löblicherweise - sehr genau auf die Einhaltung der Öffnungszeiten achten, was bei manchen Besuchern den Unmut über das frühe Party- Ende zum Teil noch vergrößert. Was diese dann aber auf dem Heimweg tun oder lassen, steht nicht in der Macht des HaK's. Auf Grund dieser Voraussetzungen sind einige Aktive des sehr frustriert. Es wird ihnen nicht mehr ermöglicht, sich in dem Maße wie zuvor zu engagieren. Doch statt zu resignieren, gaben sie sich mit dem zufrieden, was sie noch für sich behalten konnten. Nicht zuletzt die Demonstration am 1 . Januar hat gezeigt, dass diese Menschen für ihr Jugendkulturzentrum kämpfen – es liegt ihnen am Herzen Auch die Jugendlichen und jungen Menschen im HaK gehören zu Bad Segeberg, sie sind Teil der Stadt und prägen sie täglich. Eine Jugend, die sich ehrenamtlich engagiert, eine Jugend, die sich politisch betätigt, eine Jugend, die aktiv im Kampf gegen rechtsextreme Gesinnungen vorgeht, eine Jugend, die vielen Bad Segeberger Kindern Weihnachtsgeschenke ermöglicht hat (welche sie sonst nicht bekommen hätten), eine Jugend, die sich nicht mit den gesellschaftlichen Zwängen zufrieden gibt, eine Jugend, die vielen ein zweites zu Hause gibt. Für all dies steht das HaK. Sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, durchaus argumentierbar ist die Kritik an der Ansässigkeit der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiterunion im HaK. Zu begründen, dass es nicht gewollt ist, organisierte politische Gruppierungen im HaK zu beherbergen, da es für alle demokratischen Gruppierungen offen stehen soll und will, ist angebracht. Jedoch die Existenzberechtigung einer politischen Organisation anzuzweifeln, die sich auf basisdemokratische Grundrechte beruft, ist äußerst fragwürdig. Man muss nicht mit allen politischen Strömungen d'accord sein, das bedeutet jedoch nicht, das Recht zu haben, sie auf anderem Wege als dem der Rechtssprechung verhindern zu können. Nicht zuletzt hat die FAU, die sich seit ihrer Gründung als pazifistisch versteht, sich dazu entschieden, ihre Geschäftsanschrift im HaK aufzulösen – eine weitsichtige Entscheidung. Eine wichtige Anmerkung hierzu in selbstkritischer Reflexion: Wir als etablierte Parteien unserer Gesellschaft sollten uns lieber darüber Gedanken machen, warum die jungen Menschen sich durch die FAU eher vertreten sehen als durch unser politisches Handeln, als uns damit zu beschäftigen, unsere demokratische Grundordnung, hier ins besondere die Meinungsfreiheit, in Frage zu stellen. Überspitzt formuliert sollte man dann besser froh sein, dass die jungen Leute politisch mit der FAU für gerechte Arbeitsverhältnisse streiten als nach französischem Vorbild Autos anzünden. Wir bitten Sie, tragen Sie Sorge für den Erhalt des Hotels am Kalkberg und einer ganzen Jugendkultur in unserer Stadt. Zeigen Sie den jungen Menschen, dass sie gehört werden. Leisten Sie ihren Teil zur Förderung politisch interessierter und aktiver Jugend. Mit freundlichen Grüßen, Alexander Wagner Für die Jusos
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